ENTDECKE DIE WELT: In 6 Tagen über die Alpen der E5

Der E5 klingt beim Aussprechen ungefährlich und man lässt das Wort im Alltag oft links an der Seite stehen, ohne weitere bedeutende Fragen zustellen. Also zur kurzen Definition des Wortes E5 für alle Otto- Normal- Verbraucher, er ist ein Wanderweg über die Alpen, beginnt in Oberstdorf und endet in Meran.

Man könnte jetzt fast schon den Vergleich zum Jakobsweg ziehen, jedoch ist dieser etwas weit hergeholt, obwohl die „Besucherzahlen“ auf dem Weg über die Alpen steigen.

Entscheiden für dieses spezielle Abendteuer (im positiven Sinne) muss man sich früh, wir meldeten uns im Oktober an. Da ist auch die bekannte nächste Frage, wer ist uns? Also ich bin Janek (16 Jahre), mein Papa, eine Kollegin/ Freundin von meinem Papa, der Cousin von meiner Mama und seine Frau.

Noch eine Frage ist offen, wieso entscheidet man sich für eine solche Reise. Ganz einfach mit keinem Verstand, man muss schon etwas verrückt sein. Bei der Anmeldung denkt man noch nicht darüber nach Wie? Wo? und was genau?.

Und dann ging es los… nein Stopp- so schnell auch wieder nicht, der Rucksack musste gepackt werden und nicht einfach wie sonst alles rein sondern drücken dass er zugeht. NEIN er wurde 1. auf 8Kg beschränkt und 2. man muss nach einer genauen Liste packen, mit der Überlegung was man wo zuerst braucht.

In der ersten Juliwoche 2018 (auch die 1. Ferienwoche in Thüringen) fuhren wir in Richtung Alpen (Oberstdorf). Nun heißt es Übernachtung im Hotel, Wanderschuhe zu schnüren, Rucksack auf und ab zur Alpinschule Oberstdorf. „Einchecken“ würden es jetzt die Hotel`er nennen, Gepäck für Meran abgeben und warten. Uns standen 2 Guides ein Schweizer (Hubert) und ein Engländer (Marck) zur Verfügung, die uns eine kurze Einweisung gaben. Mit dem Bus fuhren wir dann zur Spielmannsau (1002 Höhenmeter) und starteten dort bei sonnigen 27 Grad. Ein Ziel war allen für den heutigen Tag vor Augen die Kemptner Hütte (1846 Höhenmeter), wo wir circa 16.00 Uhr eintrafen. Schon dort war einen klar Abstriche in Sachen wie Luxus und Komfort zu machen. In einem 5 Mann Zimmer ging es 21.00 Uhr schlafen… warte nochmal 21.00 Uhr… ja richtig gelesen.

Um 5.30 Uhr hieß es, dem trotzdem kuschligen Bett ByeBye zu sagen, anziehen, waschen und 6.00 Uhr zum Frühstück bereitstehen. Kurz vor 7 ging es runter in den etwas muffligen Schuhraum. Mit offenen Mund vom Gähnen machten wir den ersten Schritt. Erst in diesem Moment fing ich an unsere Wandergruppe genauer zu betrachten. 24 Mann in einer Gruppe und davon sind mir 19 unbekannt … na toll.

Ihr könnt raten, es ging natürlich wieder Berg auf. Heute verließen wir Deutschland was natürlich in den Alpen ganz deutlich aufgezeigt wird, ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“ glaube ich zumindest. Die gefühlt 1000 Sticker verhindern etwas die Sicht auf den Schriftzug. Gruppenzwang muss sein und so zückte ich meine Sticker aus Altenburg.

Jetzt ging es zum Abstieg nach Holzgau über… schon wird mir Österreich sympathisch mit den Wort Abstieg. Über eine Hängebrücke runter ins Tal (Gehzeit: 5h), Brotzeit im Tal und ein Stückchen mit dem Bus in Richtung Memminger Hütte. Rucksäcke in die Materialbahn und Tagesrucksäcke über die Wirbelsäule gehangen. Der Fußmarsch zur Memminger Hütte (2242m) begann, es zog sich über Stock und Stein immer Berg hoch und das Ziel war erst in den letzten 10 Minuten klar zu sehen. Die Region um die Hütte ist bekannt für Murmeltiere und Steinböcke. Endlich oben, aber auf Wanderungen geht nie alles zu 100% glatt. 2 Rucksäcke waren verschwunden und waren in und rund um die Memminger Hütte nicht aufzufinden. Am Abend jedoch tauchten sie unten an der Talstation der Materialbahnwieder auf. Ein langer Tag ging zu Ende und die Müdigkeit siegte schnell gegen den Körper.

Bei leichtem Nieselregen hieß es am nächsten Tag wieder Schuhe zu schnüren und Rucksack auf den Rücken, auf zur Seescharte auf 2599m. Auf diesen Punkt wollte der Wettergott uns seine Stärke in vollen Zügen präsentieren, eine Hagel und Regenfront zog über unsere Köpfe hinweg. Ab dort war das Wetter sehr wechselhaft, Hubert nannte das Murmeltierwetter. Es ging über 1850 Höhenmeter ab nach Zams, die erste Nacht in einem Hotel stand an. Das Essen war ein Genuss und die Nacht in einem bequemen Bett mit WLAN ließ einen mit einem Lächeln einschlafen.

Heute hieß es auf zur höchstgelegenen Übernachtung auf der Tour die Braunschweiger Hütte, zuvor fuhren wir von Zams mit der Venetbahn auf den 2008m hohen Karlberg. Oben angekommen erwartete uns ein traumhaft schönes Panorama über die Ötztaler Alpen, das Pitz- und Kaunertal und im Norden könnten wir die Lechtaler Alpen mit unseren langen gestrigen Abstiegsweg bewundern.

Wir wanderten entlang des Venethanges zur Galfun Alm, nach über 2 h Abstieg erreichten wir Wenns (980m) von dort aus ging es mit dem Bus circa 30 km weiter ins hintere Pitztal auf 1736m. Es regnete und durch den Nebel konnte man kaum seine eigenen Füße erkennen. Nach kurzer Rast im Gletscherstüble treten wir den steilen Aufstieg zur Braunschweiger Hütte an, doch der Blick auf die beeindruckenden Gletscherwelten zahlte alles aus. Auf 2759 Höhenmeter erreichten wir unser Tagesziel und die Nacht im 9-er Zimmer stand bevor.

Mit leichten Wehwehchen in den Beinen sattelten wir unseren Rucksack und starteten zum Pitztaler Jöchel (2996m) von hier haben wir noch einmal einen großartigen Blick über die Gletscherregion der Wildspitze. Weiter wanderten wir über den Panoramaweg, der uns immer wieder traumhafte Ausblicke auf die Stubaier und Ötztaler Berge schenkten. Am frühen Nachmittag erreichen wir Vent. Nach einer gemütlichen Brotzeit stiegen wir im strömenden Regen zur Martin-Busch-Hütte, 2501 m auf.

Auf nach Italien!

Nach dem ausgiebigen Frühstück erreichten wir über ein kurzes Stück Gletscher die Similaun-Hütte, 3019 m, die unterhalb des Fundortes des Ötzi liegt. Nach einer Rast stiegen wir steil ins Schnalstal ab und kamen am Tisenhof an. Anschließend ging es mit dem Bus nach Meran, wo mich die Müdigkeit packte.

Am nächsten Morgen begann die Rückfahrt nach Oberstdorf und von dort aus mit schweren Herzen nach Altenburg.

Es war eine tolle Reise mit vielen atemberaubenden Eindrücken!

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