On the road again

Die meisten Leute denken, dass ein Berufskraftfahrer den ganzen Tag auf „dem Bock“ sitzt und Straßenstaub schluckt, das ist aber nur die halbe Wahrheit. Lok- oder LKW-Fahrer ist der Traum vieler kleiner Jungs und sogar einiger Mädchen!

Oft wird ihnen dieser Traum von Eltern, Freunden und Bekannten schnell wieder „ausgetrieben“. Viele möchten nicht, dass ihre Kinder irgendwo zwischen Hamburg und Istanbul ihr Leben auf der Straße verbringen. Termindruck, keine festen Arbeitszeiten und vor allem nicht wissen, wann man sich wieder sehen wird, begründen das schlechte Image dieser verantwortungsvollen und spannenden Arbeit. Aufgrund des schlechten Images werden immer weniger Berufskraftfahrer ausgebildet.

„Solange man Stahlträger und Lebensmittel
nicht per E-Mail versenden kann,
brauchen wir das Transportgewerbe“
hing schon bei meinem Vater auf dem Bock
hinter der Windschutzscheibe.

Heute mehr denn je, handelt es sich also um eine Arbeit mit Zukunft. Darüber hinaus sind knapp ein Drittel der deutschen LKW-Fahrer über 50 und gehen innerhalb der nächsten 10 Jahre in Rente, aus diesen Gründen besteht aktuell ein großer Nachwuchsmangel. Die Verantwortung als Berufskraftfahrer kann man an dem täglichen Wahnsinn abmessen, den man im Kontakt mit PKW-Fahrern besonders an Steigungen erleben kann. Gewagte Überholmanöver und gefährliches Ausbremsen führen zwangsläufig zu einer Verringerung der Geschwindigkeit auf Autobahnen und Fernstraßen.

Zur vielfältigen Kompetenz eines Berufskraftfahrers gehört nicht nur das Fahren, sondern auch die Routenplanung in Absprache mit dem Chef bzw. der Disposition. Vor der Abfahrt gehört ebenso eine umfangreiche Kontrolle der Funktionen und Fahrtbereitschaft des Fahrzeuges sowie nötigenfalls kleinere Reparaturen, die ein Berufskraftfahrer selbst erledigen können sollte. Selbstredend ist die Ladungssicherung nach gesetzlichen Vorschriften ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Berufskraftfahrers. Schließlich möchte man ja auch die komplette Ladung an den Bestimmungsort bringen – und nicht wie der Weihnachtsmann auf der A4 komplett verstreuen.

Der Verantwortung bewusst

Neben dem verantwortungsvollen und total abwechslungsreichen Transportgewerbe ist auch die Personenbeförderung in Bus, Bahn oder Taxi zu erwähnen. Eine spannende, wenn auch nervenaufreibende Variante in unserer Berufssparte. Besonders einsame Nachtfahrten oder Deeskalationen in Streitfällen fordern nicht nur auf der Straße volle Aufmerksamkeit. Psychologische Kompetenzen und pädagogisches Geschick sind besonders in der Schülerbeförderung heute mehr denn je gefragt.

Die Zeit, in der man nicht Zuhause ist, wenn man im Fernverkehr fährt, schreckt zwar viele zunächst ab, diesen spannenden Beruf zu wählen, aber bei näherer Betrachtung kommt man nicht nur in andere Länder, erlebt fremde Kulturen und lernt neue Menschen kennen und man wird auch noch dafür bezahlt.

Am schönsten finde ich persönlich Skandinavien
im Winter. Ab und zu hat man dort
auch mal das Glück, Fahrzeuge
– sogenannte Erlkönige -,
die noch nicht offiziell vorgestellt
worden sind in ihrem „Tarnkostüm“
sehen zu dürfen.

Es ist und bleibt für mich ein absoluter Traumberuf! Falls dieser Artikel bei euch Interesse geweckt haben sollte, fragt doch einmal bei einer Speditionen in eurer Nähe nach, ob ihr mal einen oder zwei Tage in den Ferien mitfahren dürft. Die Wahl eurer Ausbildung hängt von sehr vielen Faktoren ab. Nicht alleine Schule, Freunde und Eltern entscheiden, auch deine Freude etwas Verantwortungsvolles und Ungewöhnliches zu tun sind wichtige Faktoren – und du allein entscheidest, ob die Straßen dieser Welt ein wenig sicherer werden. (kgz)

Fotos: Karl Georg Zinn, Seggy

Autor: Karl Georg Zinn

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