KAT-Schutz

Ohne das ehrenamtliche Engagement könnte der Katastrophenschutz in Deutschland nicht effektiv arbeiten. Zu dem Verbund der Hilfsorganisationen gehören neben den Berufsfeuerwehren und freiwilligen Feuerwehren auch das Technische Hilfswerk (THW), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die Bereitschaften der Hilfsorganisationen, der Johanniter Unfall Hilfe, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Malteser Hilfsdienstes sowie viele weitere. Menschen zu helfen, ist meiner Meinung nach eine der sinnvollsten, spannendsten und schönsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt.

Neben sportlichen Aktivitäten und tollen Feiern, ist es die Zusammengehörigkeit, die in unserer immer komplexer werdenden Welt einem irgendwie Halt und Geborgenheit gibt. Was macht man eigentlich beim Katastrophenschutz? Wir helfen, wenn es „brenzlig“ wird. Wir sichern die Versorgung von PKW- und LKW-Fahrern mit Lebensmitteln bei langen Staus oder wir übernehmen die medizinische Versorgung vor Ort, die die Rettungsdienste bei umfangreichen Unfällen mit vielen Beteiligten alleine nicht abdecken können. Wir klettern in Gebirgen herum und unterstützten die Gebirgsrettung, die von Hubschraubern und Pistenraupen aus, gerade in Skigebieten im Winter ihre Einsätze fahren muss. Evakuierungen bei Bombendrohungen oder -entschärfungen übernehmen wir nicht selten. Sperren die betroffenen Gebiete weiträumig ab und unterstützen somit auch die örtlichen Sicherheitsorgane.

Im Hochwasser-Einsatz

Wer gleichzeitig Sport treiben und nebenbei noch einen Kochkurs besuchen möchte, der kommt am besten gleich zum Katastrophenschutz. Brandbekämpfung, die von der Feuerwehr durchgeführt wird, wird ebenso von uns unterstützt, wie das Befüllen von Sandsäcken bei Hochwasser.

2013 konnte ich persönlich an drei Hochwassereinsätzen teilnehmen. Dort erlebt man was Teamarbeit wirklich heißt. Jeden Tag neue Menschen, die uns mit Essen, Kaffee und trockner Kleidung geholfen haben unseren Dienst zu tun. Entlang der Saale und der Elbe konnten wir in zahlreichen wunderschönen Dörfern und Städten wichtige Gebäude und Straßen sichern. Damit konnte ich nicht nur meine Heimat wieder mal ein Stückchen mehr kennenlernen, ich durfte auch zahlreiche Menschen kennenlernen und neue Freundschaften schließen.

Zurück zum Hochwasser 2013, als erstes waren wir in Altenburg. Wir sind um 1 Uhr früh losgefahren, waren gegen 4.30 Uhr vor Ort und haben auf Aufgaben gewartet. Von der zuständigen Rettungsleitstelle kam der Befehl 400 Feldbetten abzuholen und in einer Mehrzweckhalle eine Notunterkunft zu errichten. Gegen 15.00 Uhr war diese Aufgabe erledigt. An Ausruhen oder gar in den Feldbetten zu schlafen, war nicht zu denken. Dabei habe ich mir pro Feldbett 3-4 mal die Finger eingeklemmt. Hat aber trotzdem Spaß gemacht – denn hier sollten ja die Menschen unterkommen, die gar nichts mehr hatten – kein Haus, kein Bett, nichts. Unfassbar. Dann ging es los mit dem eingangs schon beschriebenen Kochen. Es gab typisches Feldküchenessen. Eine deftige Erbsensuppe mit knackiger Bockwurst und frischen Brötchen (Frühstück und Mittag in einem – was die Dauer der Essenaufnahme auf das Wesentliche reduzierte) Im Anschluss haben wir dann das Essen für die Feuerwehrleute an den Einsatzorten ausgefahren.

Gegen 20 Uhr war auch diese Aufgabe beendet und wir konnten zu unserer Unterkunft zurückkehren. Und wieder wurde gekocht. Inzwischen waren einige Leute aus einem benachbarten Behindertenwohnheim in unsere Notunterkunft gekommen. Eine muntere Truppe, trotz des ganzen Stress konnten wir alle entsprechend versorgen und konnten nach fast 30 Stunden ohne Schlaf endlich unter die provisorisch aufgestellten Duschen. Luxus pur! Was dann folgte, war der Wahnsinn: Eine Stunde ausruhen! An Schlaf war nicht zu denken. Trotzdem tat das unseren müden Knochen gut.

Im Anschluss, es ging auf Mitternacht zu, war es mit unserer Ruhe wieder vorbei. Allein in Altenburg kämpften wir 4 Tage gegen die Wassermassen. Nach einer kurzen Ruhephase ging es weiter nach Magdeburg und Stendal. Hier wurden wir an vorderster „Front“ eingesetzt. Deiche sichern, Sandsäcke schleppen, Lastwagen, Traktoren und Bagger koordinieren und „Schiffe versenken“ – zur Sicherung der Deiche – haben so ihre Spuren hinterlassen.

Blasen an Händen und Füssen,
keine trockene Kleidung mehr am Leib
und mit knurrendem Magen,
aber gemeinsam mit vielen Helfern,
konnten wir den Menschen ihr Zuhause,
ihre Heimat retten oder zumindest
ein Stück davon sichern.
Bis zum nächsten Hochwasser.

Bleibt mir schlussendlich noch zu bemerken, dass es leider viel zu wenig Jugendliche gibt, die Lust haben in ihrer Freizeit sich ähnlich spannenden Prozessen zu widmen und sich zu engagieren. Man muss es einmal so sehen, dass in einer großen Organisation wie dem THW nichts selbst besorgt werden muss. Was man für die professionelle Hilfe braucht, ist durch die Hilfsorganisationen vorhanden. Bis zu 4 Mal im Monat an Samstagvormittagen übt man gemeinsam oder fährt auf Einsätze. Bei einigen Verbänden kann man sich auch zu Auslandseinsätzen verpflichten.

Wer Spaß an der Arbeit mit Menschen hat und etwas Sinnvolles tun möchte, ist auf alle Fälle hier richtig. (kgz)

Autor und Fotos: Karl Georg Zinn

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